Fotografieren in Edinburgh

Posted on September 30, 2010 at 23:22

Fotografieren in Edinburgh – Ein Reisebericht

Um wieder einmal raus zu kommen, etwas neues zu sehen und mich neuen fotografischen Herausforderungen zu stellen, suchte ich ein Ziel für eine Städtereise. Die Wahl viel nach kurzer Recherche auf Schottland: Edinburgh.

Edinburgh - Blick vom Canton Hill

Edinburgh - Blick vom Canton Hill

Bei meiner – zugegeben – eher mäßigen Vorbereitung auf Edinburgh (Kauf eines Reiseführers und bei Flickr nach dem Stichwort Edinburgh stöbern) ist mir gleich ein fotogener und sehr häufig fotografierter Ort aufgefallen: Canton Hill bzw. der Blick auf die Stadt von selbigem. Das war eines der wenigen Ziele, die ich auf jeden Fall sehen wollte.

Rückblickend war es ein schöner Fototrip, aber auch recht anstrengend: 5 Tage zu Fuß unterwegs, dabei viel Treppensteigen, das hinterlässt seine Spuren. Aufgrund der schlechten Vorbereitung bin ich leider oftmals in etwas entlegeneren Gebieten gelandet. So konnte ich zwar die Stadt außerhalb der typischen Touristenrouten kennenlernen, aus fotografischer Sicht ist man aber dann doch eher etwas enttäuscht, wenn man durch teils langweilige Randgebiete (ohne Cafés weit und breit – das war das schlimmste!) schlendert. Und ganz wichtig: wenn man schon eine Touristen-Bus-Tour gebucht hat, sollte man das auch am ersten Tag machen, und nicht am letzten kurz vor dem Abflug 🙂 Das eignet sich ja wirklich ganz gut, um die wichtigsten Plätze mal zu sehen und so die Tagestouren besser zu planen. Klingt ja eigentlich auch sehr logisch – möchte man meinen ;o)

Die Schotten hab ich als sehr freundliches und hilfsbereits Volk kennenlernen dürfen. Einige Male stand ich (wohl mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn) und aufgeklapptem Stadtplan an Kreuzungen und wurde jeweils nach kürzester Zeit angesprochen, ob ich mich denn zurecht finden würde. Klasse! Darüber hinaus hab ich mich wirklich zu jeder Zeit sehr sicher gefühlt, Edinburgh hat einen sehr friedlichen Eindruck gemacht.
Was mir noch positiv aufgefallen ist: die Schotten sind reinlich. Es macht einen guten Eindruck, wenn sich beispielsweise Servicepersonal hinter der Theke erst gründlich die Hände wäscht, bevor ein Bagel zubereitet wird.

Doch nun zu den Fotografien, die in Edinburgh entstanden sind. Auf einige möchte ich näher eingehen.

Edinburgh - Canton Hill - Kanone

Edinburgh - Canton Hill - Kanone

Dadurch, dass ich meinen Flug München – Frankfurt verpasst habe, und über Düsseldorf umbuchen musste, hatte ich nicht wie geplant bereits Freitag Nachmittag Zeit zum Fotografieren, sondern bin erst gegen Abend angekommen. Deshalb habe ich mich gleich für einen Abend-Fotowalk auf den Calton Hill entschieden. Dort habe ich etwas mit dem vorhandenen Licht gespielt, ehe mir die Idee gekommen ist, ein bisschen mit dem entfesselten Systemblitz zu experimentieren.

Das hat wirklich sehr viel Spass gemacht! Bei der Kanone hab ich den Blitz praktisch als Geschoss eingesetzt und gleichzeitig wurde dadurch das Rohr gut ausgeleuchtet. Schwarze Kleidung ist dabei natürlich von Vorteil. Belichtungszeit war 20-30s, genug Zeit also, um von der Kamera auf dem Stativ mit dem Blitz im manuellen Modus zum Objekt zu laufen, den Blitz auszulösen und wieder aus dem Bild zu verschwinden.

Für ein anderes Bild habe ich ebenfalls den entfesselten Blitz auf voller Leistung benutzt. Dabei ging es darum, den Monopteros auf dem Hügel auszuleuchten. Dieser ist nämlich nicht angeleuchtet gewesen, so habe ich während der 30 Belichtungszeit den entfesselten Blitz mehrfach aus verschiedenen Richtungen gezündet, was ebenfalls eine interessante Bildwirkung erzeugt hat.

Am nächsten Tag war dann genug Zeit, um mich in Ruhe in Old Town umzuschauen. Anstatt einfach den Touri-Massen durch die Hauptstraße (Royal Mile) zu folgen, habe ich mich immer wieder in die kleinen engen Gassen (Closes) treiben lassen und dabei teilweise richtig spannende Motive und Hinterhöfe entdeckt. Dafür ist Edinburgh wirklich bestens geeignet – wer enge romantische Gassen wie in Venedig mag, wird Edinburgh dafür lieben 🙂

Fotografieren in Edinburgh - Fisher's Close

Fotografieren in Edinburgh - Fisher's Close

Beim Fotografieren in Edinburgh habe ich unter anderem großen Spass daran gehabt, mit Perspektiven zu spielen. Wie hier an diesem Beispiel deutlich sichtbar wird 🙂 Die Garagentore werden eigentlich von vorne nach hinten immer größer, bedingt dadurch, dass der Straßenzug am Hang abwärts liegt. Durch eine geschickte Position und das eingesetzte Weitwinkel (Tokina 12-24mm) konnte dieser Eindruck jedoch getäuscht werden. Die Garagentore schließen nun in einer Linie ab, man könnte meinen, sie seien gleich groß, da entfernte Objekte ja entsprechend kleiner abgebildet werden.

Edinburgh - East Market Street

Edinburgh - East Market Street - Spiel mit Perspektive

Vom hohen Scott Monument aus hat sich außerdem der perfekte Spielzeug-Look ergeben. Bei ~70mm fotografiert haben Menschen und Gegenstände aus dieser Perspektive einen eher unreal wirkendes Erscheinungsbild. Alles wirkt wie im Spielzeugmuseum. Das mag daran liegen, dass die von oben fotografierten Gebäude keine stürzenden Linien zeigen. Anders also, als wenn man von unten nach oben fotografiert. Diese Ansicht von oben herab kennt man eben nur aus der Modellbauwelt.

Edinburgh - Princess Street

Edinburgh - Princess Street - Fotografieren aus der Vogelperspektive - vom Scott Monument aus.

Bei meiner Vorbereitung auf die Foto-Tour nach Edinburgh hab ich auf Flickr ein Foto entdeckt, das in einer schmalen Gasse vor dem Hintergrund des Edinburgh Castle aufgenommen wurde. Diesen Ort wollte ich unbedingt finden und meine eigene Interpretation der Szene entwerfen. Nach dem ersten Tag herumlaufen war mir in etwa klar, aus welcher Perspektive / Richtung das Bild aufgenommen worden sein musste. Diese Gasse hab ich dann tatsächlich gefunden und mein Foto nachts machen können:

Edinburgh - Gasse bei Nacht mit Blick auf Edinburgh Castle

Edinburgh - Gasse bei Nacht mit Blick auf Edinburgh Castle

Ebenso wollte ich die wunderschöne Victoria Street in einem schönen Foto auf meine eigene Art und Weise festhalten. Das ist mir bei Tag und bei Nacht gelungen. Ich habe besonders auf meine Lieblingsbildkomposition hingearbeitet. Die Ecken / Diagonalen. In diesen Bildern hat jede Ecke eine besondere Funktion, nimmt eine Linie auf, lässt Linien als Tangenten die Bildkanten berühren und so weiter. Hier ist tatsächlich nichts dem Zufall überlassen worden.

Edinburgh - Victoria Street - bei Tag

Edinburgh - Victoria Street - am Tag

Edinburgh - Victoria Street - bei Nacht

Edinburgh - Victoria Street - bei Nacht

Ich nehme aus dieser Foto-Reise auf jeden Fall mit, dass man für so etwas einen freien Kopf braucht, auf jeden Fall auch ausreichend Vorbereitungszeit und gute Laune. Ohne diese Komponenten kann so ein Trip schnell mal fad werden, oder man ist beim Umherstreifen einfach nicht glücklich, findet keine Motive, fängt an zu zweifeln und verkrampft sich etwas. Schließlich will man ja auch etwas mitnehmen, weiterkommen, neue Motive und Bildideen sehen und entwickeln.

Fotografisch gesehen hab ich jedenfalls viel experimentieren können. Die meiste Zeit habe ich dieses Mal im manuellen Modus fotografiert, konnte die benötigten Belichtungszeiten schon besser einschätzen und vorab korrigieren. Das hat wirklich Spass gemacht und ist ein Schritt in die richtige Richtung 🙂

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