Wedding Photography: Hochzeiten fotografieren

Posted on Juni 7, 2010 at 21:24

Ende Mai war es soweit, die erste Hochzeit stand auf dem Plan. Lange hab ich diese Königsklasse der Fotografie vor mir hergeschoben und einige Anfragen abgelehnt. Zu unsicher war ich mir noch, ob das Fotografieren auf den Punkt genau funktionieren würde und ob ich selbst und vor allem das Brautpaar mit den Ergebnissen zufrieden sein würde.

Da kam es mir gerade Recht, dass mir meine Schwester, Andrea Martin, eine Hochzeit von Freunden „zugespielt“ hat. Sie hat selbst schon einige Hochzeiten erfolgreich fotografiert und war an dem Tag auch anwesend und hat fleißig fotografiert. Unter diesem Sicherheitsaspekt habe ich mich also doch zur ersten Hochzeit überreden lassen.

Und ich war wirklich gespannt, was mich erwartet. Also bin ich voller Erwartung und mit viel Equipment bepackt ins schöne Allgäu gefahren. Am Tag vor der Hochzeit konnten wir noch die Location fürs Braut-Shooting und die Kirche erkunden. Das ist auch auf jeden Fall empfehlenswert, um vor Ort das Licht zu checken und darauf die Objektive und evtl. Blitze abzustimmen.

Ich möchte meine Erfahrungen hier in einer kurzen Liste zusammenfassen. Quasi meine Erkenntnisse aus dem ersten Hochzeits-Shooting und Fotografieren in einer großen Gesellschaft (~300 Leute).

  • Mindestens 2 Kameras
    …spart das ständige Objektivwechseln und lässt eine schnelle Reaktion bei unerwarteten Situationen zu.
    Eine Kamera mit „Superzoom“ (z.B. 18-270 mm) stellt oft keine Alternative dar, aufgrund der geringen Lichtstärke. Hier wird dann der Blitzeinsatz notwendig, und zwar in allen möglichen Situationen.
  • Blitz mit Tageslichtkonverter Folie (z.B. Lee 204)
    Am besten arbeitet man mit lichtstarken Objektiven (<= f/2.8) ohne Blitz. Falls Blitzen aber dennoch notwendig wird, beispielsweise im direkten Sonnenlicht zum Aufhellen oder in anderen Extremsituationen oder auch als kreative Gestaltungsmöglichkeit (Tanzfläche etc.).
  • Netbook und 2 externe Festplatten
    In den wenigen kurzen Pausen des Hochzeitstags die Daten von allen Speicherkarten herunterladen und dann anschließend nebenher auf eine zweite externe Festplatte (2,5″ ohne extra Stromanschluss) sichern – das sorgt für mehr Sicherheit beim direkten formatieren der bereits benutzen Speicherkarten. Ansonsten läuft man bei einem Festplattencrash (/-Diebstahl!) Gefahr, sämtliche bisher gemachten Fotos zu verlieren – und das ist ein absolutes no-Go.
  • Ablaufplan genau im Kopf haben
    …und engen Kontakt zum Brautpaar haben. Doch man sollte sich auch auf der Hochzeit umhören, und sich in außerplanmäßige Aktionen einweihen lassen. So wurde bei dieser Hochzeit das Brautverziehen an einen anderen, geheimen Ort gemacht. In Diese Aktion waren nur vier Leute eingeweiht, alles ging ganz spontan. Dadurch, dass ich den Ablauf kannte und mich beim Brautverzieher während des ersten Tanzes der Braut verständigt habe, war ich mit am Start beim „richtigen“ Brautverziehen, anders als viele andere Gäste, die zum falschen Ort gefahren sind.
  • Fit sein
    …denn ein 16 Stunden Arbeitstag auf einer Hochzeit mit wenigen kurzen Pausen ist extrem anstrengend!
  • Schnell sein
    …um beispielsweise die Tischdekoration (Platzkarten, Servietten, Menü, etc.) abzulichten, bevor die Gäste an den Tischen sitzen, und über die Deko „herfallen“.
    Außerdem muss man schnell sein, um den Umzug zur Kirche festzuhalten, von vorne bis hinten und dann dennoch bei der Ankunft des Brautpaars vor der Kirche stehen.
  • Überall sein
    …setzt natürlich voraus, dass man einen Assistenten dabei hat, was sehr zu empfehlen ist. In vielen Situationen macht es sehr viel Sinn, von zwei verschiedenen Standpunkten Fotos zu machen (z.B. Einzug in die Kirche – einer vorne am Altar, der andere am Eingang der Kirche; genauso beim Auszug aus der Kirche). Oder ein Fotograf ist beim Brautverziehen dabei und der Foto-Assistent bleibt mit dem Bräutigam bei der übrigen Gesellschaft.
  • Auf klare Zuordnung achten
    …wenn zwei oder mehr Fotografen auf einer Hochzeit fotografieren– es muss wirklich klar sein, wer gerade die entscheidenden Fotos macht, zu wem die Personen also schauen sollen. Uns ist es leider passiert, dass bei vielen Fotos einige Leute ihren Blick gerade zum anderen Fotografen gerichtet haben.
    Also besser in 2 Gruppen aufteilen, oder zumindest immer den Hauptfotografen definieren.
  • Zusätzlicher Assistent
    Nach Möglichkeit ein Kind, einen entfernten Verwandten, den Brautauto-Fahrer o.ä.) zum Reflektorhalten oder als lebendes Blitzstativ etc. einsetzen.
  • Kreative Bilder
    …nur als Extras machen. Fotos, auf denen z.B. nur ein Detail wie der Brautstrauß scharf ist, sollten immer auch in „normalen“ Varianten existieren, bei denen das Brautpaar scharf ist. Menschen mit weniger kreativem Gespür werden die Idee des Fotos evtl. Sonst nicht nachvollziehen / honorieren können.
  • Zum Freistellen
    weniger Leute (z.B. auf der Tanzfläche) sehr lichtstarke Objektive (<= f/1.8) verwenden. Das funktioniert vielerorts je nach Beleuchtung dann sogar noch ohne Blitz und die Tanzenden werden sich weniger beobachtet fühlen, weil es nicht ständig blitzt. So lässt sich die Szene viel distanzierter und „echter“ einfangen, als wenn der Fotograf ständig mit grellen Blitzlicht auf sich aufmerksam macht.
  • Bei Gruppenportraits
    auf eine angemessene Schärfentiefe achten (Blende weiter schließen). Das ist mir leider hin und wieder passiert, dass ich die Blende noch zu weit offen hatte und dann die Schärfe schon arg begrenzt war. Das ist natürlich auch ein kleiner Nachteil, wenn man 2 Kameras gleichzeitig um den Hals hängen hat – man muss eben doppelt und dreifach die Einstellungen prüfen und im Kopf behalten.

Alles in Allem war der Tag sehr anstrengend, aber eben auch sehr spannend und ich konnte viele neue Erfahrungen sammeln. Einen großen Haufen Bilder später fühle ich mich gerüstet, weitere große Ereignisse dieser Art zu fotografieren.

Die Auswertung meiner benutzten Brennweiten hat übrigens ergeben, dass ich meistens (38%) im Bereich von 26-34mm gearbeitet hab. Das ist sicherlich auf die ausgiebige Verwendung meines Sigma 30mm f/1.4 zurückzuführen, aber auch auf das Tamron 28-75mm f/2.8.
Ebenfalls oft benutzt habe ich den Brennweitenbereich 67-74mm (15%, Tamron 28-75mm f/2.8 und Canon 70-200mm L IS f/4.0) und 83-91mm (20%, Canon 70-200mm L IS f/4.0, Canon 85mm f/1.8). Sogesehen könnte ich mir also nächstes mal das Tamron eigentlich sparen. Ich werde das mal genauer analysieren. Das Lightroom Plugin dafür gibt es übrigens bei Jeffrey.

Der Brautstrauß - einige Male am Tag hat man die Möglichkeit, das Bouquet schön in Szene zu setzen.

Der Brautstrauß - einige Male am Tag hat man die Möglichkeit, das Bouquet schön in Szene zu setzen.

Tolle Locations und schöne Hintergründe zu finden, ist enorm wichtig für ein gelungenes Brautpaar-Foto-Shooting.

Tolle Locations und schöne Hintergründe zu finden, ist enorm wichtig für ein gelungenes Brautpaar-Foto-Shooting.

Hier ist durch die Anwesenheit des zweiten Fotografen ein spannendes Bild entstanden. Das Brautpaar (samt Kleinkind) schauen in Richtung des zweiten Fotografen, während sich für mich dieser schöne Bildaufbau vor stimmigem Hintergrund ergeben hat.

Hier ist durch die Anwesenheit des zweiten Fotografen ein spannendes Bild entstanden. Das Brautpaar (samt Kleinkind) schauen in Richtung des zweiten Fotografen, während sich für mich dieser schöne Bildaufbau vor stimmigem Hintergrund ergeben hat.

Hochzeit fotografieren: verwendete Brennweiten in der Übersicht

Hochzeit fotografieren: verwendete Brennweiten in der Übersicht

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